Biographie von Johann Amadeus Golznik







1936 im GURKTAL in Kärnten geboren

Reinhardt Seminar in Wien
Schauspielengagements in Luzern, Basel, Düsseldorf
Berlin
beteiligte sich in München als Dramaturg von Filmen

eine Krankheit, die diesen Künstler von der Bühne fern-
hielt, gab den äußeren Anlass, sich dem Studium der Kunst-
geschichte und der Literatur zu widmen.

1980 Eine Störung im Sprachzentrum des Gehirns verweigerte
dem Künstler sein geniales Kapital.
Golznig begann zu malen.
Seine Bilder, - als Ersatz für die Sprache -, finden
ihren unverwechselbaren Ausdruck einer unbändigen kunstler-
ischen Natur

Max Bläulich (Salzburg)

Es ist die Geschichte zweier Personen, die ich erzähle, Johannes Golznig,
schmal, graue Haare, Verfahrenheit, zittrige Gesten, man sieht es von weitem,
verfurcht, zerrüttet, vollkommen zerrüttet. Die Gifte. Die vielen verschiedenen
Gifte. Im Gemeinschaftsloch der Heilanstalt,- ich bestehe auf diesem Begriff-,
stand ich hinter ihm uns sah zu, wie er Silbriges über Blaues aud die Leinwand
spachtelte. Vielleicht ein wenig kitschig, vielleicht, im Duktus ekstatisch jedenfalls und kühn. Er schien nicht zu merken, daß jemand hinter ihm stand, er
schien versunken in die Malerei, eine Versunkenheit, in der man leicht ins
Murmeln kommt , ins Hadern, ins Schreien auch, um nur wieder beruhigte und
eingestellt zu werden. Pharmaka und Psyche. Freilich, diese Auf und Abs sind
nichts für die Zivilisation, nichts für die Ökonomie und den Durchschnittsver-
diener. Ich sage zu ihm: `das Blau`und er sagte ´Grün, sienagrün` und eine
Zeitlang unterhielten wir uns nur mit Bezeichnungen ohne Adjektiva, ohne Arti-
kel, E5 nimmt D6, Läufer auf C6. Die Farbbezeichnungen mutieren rasch in
kleinere und größere Ballons, Seifenblasen zerplatzten, bis er sich endlich um-
drehte und sagte: `Wenn man mich ließ(s)e`, wobei ich rückfragte: `ließ(s)e von
lesen oder lassen`?
`Beides`, sagte er und schrieb mit grüner Farbe, in einem Zug, so als hätte er
dieses Gedicht schon lange vorbereitet:

Grün für Blau
1.
ein Anfang:
WÜRDE! ein fluch
wie posaunen so laut
flammendes Schwert
durch geschändete Haut
WÜRDE! ein erstes
ein letztes
ehern verlangtes
steinern gesetztes
WÜRDE! des menschen!
so selten geschaut!

2.
ich klage!
weil ich um vieles weiß
worum nur greise wissen
daß knaben oder jüngling
ich nicht heiß`
daß träume mir zerrissen;
unendlichkeit der wüsteneien
enttäuschte augen!
wie soll da freude noch gedeih`n
was soll da lachen noch taugen;
daß knabe oder jüngling
ich nicht heiß`
daß träume mir zerborsten, zerrissen ...

3.
bei gott bin ich verloren
im geschauten!
und wie ein frosthauch - im verblauten.

Er schrieb dies nieder, ohne abzusetzen, mit kompletter Interpunktion, gab
mir die Blätter und ging. Freilich sah ich ihn des öfteren noch, erlebte manches
mit ihm, bis ich zufällig in frühen "Manuskripten" einige Zeilen aus seiner Hand fand.
Was mir aber in Erinnerung blieb, - denn er ist mir seit 1975 entschwunden, -
ist die Nähe des Giftes und seine Nähe zu Trakl. Und was mir blieb, ist der
Name aus dem Siebengesang: Er nannte mich Bläulich. Ich fordere für ihn, sollte
er unter den Lebenden weilen oder auch nicht, den TRAKLPREIS.